CeBIT asia

Impressionen von der CeBIT asia
2.-5.9.2002 in Shanghai

Die Messe präsentiert sich in den neuen Messeanlagen der Messegesellschaft Hannover. Insgesamt sind es fünf grosse Hallen, von denen vier für die CeBIT genutzt werden und eine für die zeitgleich laufende Messe AnalyticaChina. Drei Hallen der CeBIT sind mit Ausstellern nahezu gefüllt, die vierte Halle dient der Messekonferenz, die durch die Gartner-Gruppe ausgerichtet wurde.

Dieses Messegelände ist derzeit das grösste in Asien. Es liegt in der Sonderhandelszone im Stadtteil Pudong. Im Endausbau soll die Messeanlage 17 Hallen umfassen. Bereits jetzt ist aber die Grössenordnung beeindruckend. Dieses Jahr lockte die Messe immerhin 700 Aussteller aus 30 Ländern sowie etwas mehr als 50.000 Besucher an.

Haupteingang

Während des Aufbaus sind die Klimaanlagen ausgeschaltet und die Hallentore weit offen. So gewinnen die Austeller einen unverfälschten Eindruck des Shanghaier Klimas. Der emsigen Betriebssamkeit während des Aufbaus tut dies keinen Abbruch.

Es herrscht gute Stimmung, obwohl alles heiss und schwül ist. Draussen sind 36 Grad Celsius und in den Hallen etwa 26 Grad. Die Luftfeuchtigkeit aussen empfindet man als sicher über 90%. Die schwüle Hitze, die sich trotz mächtiger Klimamaschinen hier und da in den Hallen einschleicht, verstärkt den asiatischen Eindruck.

In der Halle 4 findet die Eröffnungszeremonie statt. Die VIP-Dichte ist sehr hoch: man erblickt Hannovers Oberbürgermeister, den deutschen Generalkonsul, Shanghais Politprominenz sowie viele Persönlichkeiten des asiatischen Wirtschaftsraumes. Auf der Konferenz sind die meisten Ansprachen in Englisch aber eben auch in Chinesisch. Man kann sich Übersetzungsgeräte ausleihen. Synchronübersetzer machen das Vorgetragene verständlich.

Eröffnungszeremonie

Auf der Messe werden vorzugsweise Hardware- und Hardwarekomponenten gezeigt, desweiteren dürfen Mobiltelefone und PDAs in jeglicher Ausführung nicht fehlen, ebenso Assesoirs der verschiedensten Coleur für Mobiltelefone: Bluetooth-Ohrhörer, Anschlusskabel, Handytaschen, bunte Cover ...

Hingegen klassische Software und Softwarelösungen gibt es kaum, ebenso kommt der Bereich Consulting etwas kurz. Diesbezügliche Aussteller wirken etwas verloren zwischen den Kabeln und PC-Towern.

Die Messestände selber waren durchweg in einem englisch-chinesischen Mix beschriftet und präsentiert. Erstaunlicherweise kam man aber auch mit deutsch sehr weit - das liegt wohl an der deutschen Messegesellschaft.

Messshow Messshow

Bei solchen Messen fungieren für gewöhnlich tolle Autos und schöne Frauen als Blickfang und Attraktionspunkte. In Ermangelung spektakulärer Automobile erscheint es, als ob die Anzahl der schönen Frauen verdreifacht wurde (im Vergleich zur CeBIT in Hannover). Es ist auch lauter und deutlich mehr Hintergrundgeräusch zu vernehmen.

Messshow Messshow Messshow

Alles wirkt sehr geschäftig. Ständig sind einzelne Verkäufer an den Ständen unterwegs, die zusätzlich alle möglichen Dinge verkaufen wollen: Transportservices, Büroartikel, Visitenkartendruck ... Genauso aktiv wirkt aber auch die Polizei. Jeder Stand erhält einen gelben Aufkleber, auf der man darauf hingewiesen wird, auf seine persönlichen Dinge zu achten. Von den Sicherheitsbeamten wird man auch sehr schnell darauf aufmerksam gemacht, wenn mal ein Handy auf dem Tisch liegenbleibt oder eine Schranktüre nicht richtig geschlossen ist. Solche Hinweise ist man als Europäer nicht gewöhnt, doch die Sicherheit wird dadurch deutlich erhöht.

Das Flair kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass doch alles sehr pragmatisch gehalten ist. Das Angebot im Fastfood-Restaurant ist für einen Europäer gewöhnungsbedürftig, denn es gibt zum Essen nichts zu Trinken. Getränke besorgt man sich woanders.

Messshow Messshow Messshow

Am Ende des ersten Messetages erwartete uns ein Verkehrsproblem. Die Messehallen sind noch nicht vollständig an den Nahverkehr angebunden. So stellen wir uns 30 Minuten in die Taxiwarteschlange. Anfangs kommen sehr viele Taxis angefahren - aber irgendwann scheint es in der Gegend keine mehr zu geben. Und so tröpfeln weitere Taxis nur noch langsam herein. An den folgenden Messetagen hatte es sich bei den Taxifahrern herumgesprochen und die Wartezeit ist auf ein vernachlässigbares Minimum bei etwa der gleichen Anzahl von Fahrgästen geschrumpft. Wir fahren gegen 17:45 Uhr ab, die Sonne steht blutrot über der Skyline von Shanghai. Die Handynetzabdeckung ist einwandfrei, auch wenn gelegentlich SMS aus Europa auf der Strecke bleiben.

Offizielle Taxifahrer haben im unteren Bereichs Ihres Namensschilds ein bis fünf Sterne. Leider sieht man diese erst, nachdem man zugestiegen ist. Fünf Sterne bedeuten, dass der Fahrer gut Englisch spricht, bei vier Sternen sind Grundkenntnisse vorhanden. Unsere Taxifahrer hatten immer zwei Sterne - eine englische Konversation war nicht möglich.

Messshow Messshow Messshow

Am zweiten Tag der Messe fallen uns ein paar mehr Details auf. Der Stand gegenüber, wie auch einige andere in den Hallen, ist erst gegen 10:00 Uhr besetzt. Offenbar ist 09:00 Uhr zu früh. Wir wissen, dass vergleichbare Messen in der Region in der Regel erst gegen 10:00 Uhr öffnen. Ein Aussteller meint, das diese frühe Öffnungszeit wohl typisch für Deutsche sei. Uns macht das nichts aus, wir haben sowieso mit der Zeitverschiebung zu kämpfen.

Das gegenseitige Verstehen mit lokalen Handwerkern ist etwas schwierig, da viele praktisch kein Englisch können und nicht immer chinesische Übersetzer greifbar sind. Auf einem Stand sollte über Nacht ein Schloss in einer Tür eingebaut werden. Offenbar war dies ein grösseres Missverständnis: anstatt das Drehschloss einzubauen, hat man die gesamte Tür gedreht und wieder eingebaut. Ein Schloss war immer noch nicht drin. Auch haben so manche Aussteller mit ihren Namensschildern Probleme: Schreibfehler wimmeln überall herum. Das Weierstrass-Institut kann ein Lied davon singen.

Es gibt auch Fettnäpfchen, in die man treten kann: an einem süddeutscher Stand werden grüne Baseballmützen als Werbegeschämke verteilt. Die Chinesen stoben auseinander, als der erste Karton geöffnet wurde. Auch wurde der Stand gemieden, solange diese Mützen auslagen. Der Hintergrund ist wohl der, dass dem Träger einer solchen Mütze von der Frau und/oder Freundin die Treue nicht gehalten wurde.

Fast alle Aussteller waren überaus zufrieden mit dem Messeverlauf. Bei der Mehrzahl der Aussteller wurden die Erwartungen weit übertroffen. So hörte man am letzten Messetag vorwiegend die Aussage: wir sind im nächsten Jahr wieder dabei.

Skyline Shanghai

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